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Was
ist die GHP?
Am 18. Mai 2002 wurde in Schleswig von engagierten Pflegekräften die
Gesellschaft für Humanistische Pflege (GHP) gegründet.
Die GHP will dem Anliegen des Humanistischen in der Pflege, im
Gesundheitswesen und in der Gesellschaft insgesamt wieder mehr Ausdruck
verleihen.
Warum?
Die Pflege war und ist in ihrem innersten Kern immer menschenfreundlich und
positiv ausgerichtet. Somit ist die Frage berechtigt, ob die Pflege nicht
aus sich selbst heraus schon humanistisch im ursprünglichen Sinn des Wortes
ist und ob eine Gesellschaft benötigt wird, die sich diesem Ziel auch noch
ausdrücklich verschreibt. Der Grundgedanke des Humanitären wird von allen
Verbänden und Zusammenschlüssen in der Pflege gleichermaßen vertreten. Die
Entwicklungen in der Gesellschaft und im Gesundheitswesen sind aber so
besorgniserregend, dass zusätzliche Wege notwendig werden. Bei steigenden
Fallzahlen und sinkender Verweildauer soll mit einem geringeren
Personalbestand die gleiche oder eine noch höhere Leistung erbracht werden
und dies mit gedeckeltem Budget. Diese Ökonomisierung (im Sinne eines
unkritischen Transfers auf die Einrichtungen des Gesundheitswesens)
verhindert eine wirklich menschengerechte Behandlung und Pflege und es
stellt sich uns die Frage, ob die Ökonomie alleine wirklich Antworten auf
die schwierige finanzielle Lage im Gesundheitswesen geben kann. Franz Josef
Stoffers (Verwaltungsleiter der Caritas in Köln) bringt dies auf den Punkt,
wenn er sagt: „Ohne Wirtschaftlichkeit ist ein Krankenhaus nicht zu halten,
aber ohne Menschlichkeit ist es in ihm nicht auszuhalten.“
Deshalb will
die Gesellschaft für Humanistische Pflege die Entwicklungen im
Gesundheitswesen und in der Gesellschaft kritisch betrachten und dazu
Stellung nehmen. Sie will aber auch die Entwicklung einer Pflege
vorantreiben, die aktiv nach innen und außen ihre Inhalte, Handlungen und
Haltungen menschenfreundlich (humanistisch) gestalten und auch darstellen
kann. Sie will den Pflegenden eine Heimat geben, die sich dem humanistischen
Menschenbild in der Pflege verpflichtet fühlen.
Was fehlt?
Die Wirksamkeit einer humanistischen Haltung und Handlung von Pflege muss
öffentlich gemacht werden. Hierbei handelt es sich um die unsichtbaren
Leistungen von Pflege, die dennoch hoch wirksam sind. Es sind diejenigen
Wirkfaktoren, die schon immer für die Seele der Menschen heilsam waren:
Trost, Zuwendung, Wärme, Liebe, Akzeptanz, Einfühlung. Diese unsichtbaren
Leistungen stehen in einem engen Zusammenhang mit Zeit. Viele Pflegende
klagen über einen Mangel an Zeit für diese hoch wirksamen, in modernen
Dokumentationssystemen nicht sichtbaren Leistungen. Pflege wird im
Zusammenhang mit Zeit oft nur als mechanisches Handeln aufgefasst und nur
diese Handlungen werden als wirksame Leistung betrachtet.
Es findet immer noch eine Trennung von Leib und Seele statt, obwohl wieder
und wieder über eine ganzheitliche Gesundheitsleistung gesprochen wird.
Das Problem
Die Systemzeit, die messbare Zeit (Arbeitsabläufe, Zeiteinheiten für
Tätigkeiten) des ökonomisierten Gesundheitswesens wird ohne Berücksichtigung
der Eigenzeiten (zunächst nicht messbare Zeiten) der professionell
Handelnden und der Behandelten durchgesetzt, was zu schweren Kollisionen und
Problemen im Gesamtsystem führt.
Hier
zeigt sich sehr deutlich auch ein wichtiges Strukturproblem des
Gesundheitswesens und der Gesamtgesellschaft, in der diese hindernden und
dem Menschen nicht gerecht werdenden Zeitstrukturen ebenso wirksam sind.
Wieviel Zeit die Behandelnden in partnerschaftlicher Beziehung mit den
Behandelten tatsächlich individuell bräuchten, um ein gutes, lang
anhaltendes Ergebnis zu erzielen wird nicht beachtet. Der errechnete
Durchschnitt entscheidet darüber und man könnte mutmaßen, dass deshalb auch
nur durchschnittliche Ergebnisse in der Behandlung und bei den Kosten
erreicht werden können. Die Frage nach tatsächlicher Effektivität und
Effizienz wird somit auch nur durchschnittlich beantwortet.
Diese
Darstellung ist lediglich ein kleiner Ausschnitt der komplexen Probleme,
denen sich alle im Gesundheitswesen Tätigen zu stellen haben.
Was
können wir tun?
Wir fordern zu einer breiten Diskussion aller Beteiligten über eine
Neuorientierung im Gesundheitswesen und in der Gesellschaft auf. Hierbei
müssen Erkenntnisse aus den Sozial- und Geisteswissenschaften, aus Ökonomie
und Ökologie und vor allem aus dem praktischen Wissen der Handelnden und
Behandelten zusammengetragen und allgemeinverständlich an die Beteiligten
weiter vermittelt werden.
Dieser
Entwicklungsprozess wird kontinuierlich mit den Mitgliedern gestaltet.
Wir
wissen, dass sich die Pflege weiter entwickeln und neuen Herausforderungen
stellen muss. In manchen Bereichen werden völlig neue Arbeitsformen
notwendig werden. An deren Entwicklung wollen wir uns beteiligen, um den
humanistischen Grundgedanken zu erhalten und auszubauen.
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